Feng Shui 2.0
Freut mich, dass auch Sie jetzt endlich eingesehen haben, dass Feng Shui im Westen nichts bringt. Mag sein, dass sich in China Aktienkurse was darum scheren, ob die Topfpflanze im Büro in einer Ecke oder vor dem Fenster steht, aber hierzulande konnte selbst durch langjährige Studien kein Zusammenhang zwischen netter Einrichtung und Netto-Erfolg festgestellt werden.
Das kann sich jetzt ändern, denn exklusiv für unsere Kunden haben wir einen Blick in die Büros der Top-Unternehmer geworfen und ihre Geheimnisse entschlüsselt.
Ein für Erfolg sorgender Schreibtisch unterscheidet sich vor allem in zwei Dingen von normalen Schreibtischen: Er ist größtenteils leer und perfekt auf den Bürosessel dahinter abgestimmt.
Dass die Oberfläche so wenig wie möglich beinhalten soll, erklärt sich von selbst, denn wer will beim Schäferstündchen mit der Sekretärin schon riskieren, sich mit dem Brieföffner in den Hintern zu stechen? Gänzlich leer sollte der Schreibtisch aber nicht sein. Gut platzierte Fotorahmen mit Bildern der gelangweilten Ehefrau und den verzogenen Gören motivieren zu weiteren Überstunden und ein unidentifizierbares Mitbringsel aus einem fernen Land beweist Weltklugheit und kann notfalls auf Angestellte oder Verhandlungspartner geworfen werden.
Die subtile Psychologie des Bürosessels ist etwas komplexer. Schwarzes Leder oder Eisbärenfell unterstreicht die Jagdlust seines Besitzers, während möglichst viele Knöpfe, Hebel, Heiz- und Massageprogramme die technische Expertise belegen.
Der neueste Trend in den Chefetagen sind Klimmzugstangen an den Türen (wahlweise auch Laufbänder in Konferenzräumen). Jeder Bittsteller muss erst seine 20 Wiederholungen absolvieren, bevor er vorgelassen wird. Das macht sich gut bei Errechnung der Krankenkassenbeiträge und die Forderungen nach Gehaltserhöhungen lassen sich um mindestens 30% reduzieren (in der IT-Branche sogar um 50%).
Für Ihre Mitarbeiter empfiehlt es sich, den Arbeitsplatz an das Auto oder die Bahn anzupassen. So kann die Arbeitszeit unterschwellig verlängert werden, weil Angestellte irgendwann nicht mehr wissen, dass das Pendeln eigentlich noch zur Freizeit gehört. Darüber hinaus können Großunternehmen so Millionen bei der Anschaffung neuer Einrichtung sparen, indem diese einfach aus Altbeständen von der Bahn übernommen oder auf dem Schrottplatz zusammengesucht wird.
Immens wichtig ist dabei aber, dass Ihre Mitarbeiter denken, dass sie sich bei Ihnen wohl fühlen. Ermutigen Sie sie also dazu, allen möglichen Krempel von zu Hause im Büro zu deponieren und Postsendungen nur noch an die Firmenadresse zustellen zu lassen. So erfahren Sie auch ganz nebenbei mehr über Ihre Mitarbeiter und können die ein oder andere Pralinenschachtel klauen.
Achten Sie aber darauf, nur frische Süßigkeiten zu stibitzen. Manche Angestellte legen inzwischen bewusst verdorbene Schokolade oder nicht mehr funktionierende Kugelschreiber aus, um so ihren persönlichen Kreuzzug gegen die Bagatellkriminalität zu führen. Darüber hinaus …
Wie? Was meinen Sie?
Sie haben Ihre Produktion schon vor Jahren nach Fernost ausgelagert?
Ja dann muss ich Ihnen eh nichts über Feng Shui erzählen …




